Die am 15. Oktober 2026 vom Bayerischen Landesamt für Statistik veröffentlichten Zahlen zum Auftragseingang im Wohnungsbau scheinen auf den ersten Blick eine erfreuliche Entwicklung zu signalisieren: Gegenüber dem Vorjahresmonat wurde ein Anstieg um 62,1 Prozent ausgewiesen. Bei genauerer Betrachtung zeigt sich jedoch, dass dieser außergewöhnliche Zuwachs maßgeblich auf einen Sondereffekt zurückzuführen ist.
Hinter dem statistischen Plus steht im Wesentlichen ein Großauftrag der Bundeswehr für den Bau von Unterkunftsgebäuden, die auch außerhalb Bayerns entstehen sollen. Den Auftrag erhielt ein bayerisches Bauunternehmen. Damit schlägt sich ein einzelner Großauftrag deutlich in der bayerischen Statistik nieder, ohne dass daraus auf eine entsprechende Belebung des regulären Wohnungsbaus geschlossen werden kann.
„Rechnet man diesen Sondereffekt heraus, beträgt der Zuwachs nominal lediglich 1,6 Prozent. Preisbereinigt bedeutet das sogar einen Rückgang“, erklärt Andreas Demharter, Hauptgeschäftsführer der Bayerischen Baugewerbeverbände. Demharter warnt davor, die Zahlen als Zeichen einer Trendwende zu interpretieren: „Der erste Blick auf die Statistik könnte den Eindruck erwecken, der Wohnungsbau habe die Talsohle durchschritten. Das ist mitnichten der Fall. Der ausgewiesene Zuwachs darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass eine nachhaltige Belebung des Wohnungsbaus weiterhin aussteht.“
Aus Sicht der Bayerischen Baugewerbeverbände braucht es deshalb weiterhin verlässliche politische Rahmenbedingungen und wirksame, langfristig angelegte Förderprogramme, um dringend benötigten Wohnraum zu schaffen und die Bautätigkeit dauerhaft anzukurbeln. „Wir brauchen mehr echten Wohnungsbau und dringend geeignete, dauerhafte Förderprogramme. Von einer Trendwende sind wir derzeit leider weit entfernt“, betont Demharter.

