minimieren
maximieren

Neue Studie zum Wohnraumbedarf

Auf dem Wohnungsbautag 2017 haben die Verbände der Bau- und Wohnungswirtschaft die neue Prognosstudie „Wohnraumbedarf in Deutschland und den regionalen Wohnungsmärkten“ vorgestellt. Sie analysiert das wachsende Ungleichgewicht von Wohnungsangebot und -nachfrage.

Die in der Kampagne „Impulse für den Wohnungsbau versammelten Verbände, darunter der ZDB, haben am 22. Juni 2017 in Berlin zum 9. Wohnungsbautag eingeladen. Seit 2009 steht die Plattform für einen fachlichen Dialog der Bau- und Wohnungswirtschaft mit der Politik – in diesem Jahr mit besonderem Augenmerk auf die Bundestagswahl im September. Als wissenschaftlich fundierte Grundlage hat Prognos im Auftrag des Verbändebündnisses eine entsprechende Studie erarbeitet. Kernthema ist das immer noch wachsende Ungleichgewicht von Wohnungsnachfrage und -angebot. Dabei geht es mittlerweile nicht nur um Ballungsräume. Ausweichbewegungen in suburbane Gebiete drohen den Wohnraummangel zum flächendeckenden Phänomen zu machen. 

Aktuelle Entwicklung des deutschen Wohnungsbaus

Das Angebot hält mit der Nachfrage nicht Schritt: Bundesweit sind zwischen 2011 und 2015 rund 540.000 Wohnungen zu wenig gebaut worden. Aber auch die Bezahlbarkeit von Wohnraum wird zunehmend problematisch. Mit weiter steigenden Grundstückpreisen und Baukosten findet der Wohnungsneubau größtenteils im hochpreisigen Segment statt – gerade in den Ballungszentren. Gleichzeitig steht dem Neubaubedarf von 140.000 Mietwohnungen jährlich 2015 eine Angebotserweiterung von 46.000 Wohnungen und 2016 von 53.000 Wohneinheiten gegenüber. Damit wird der Bedarf nur zu 30-40 % gedeckt. Es wird also nicht nur zu wenig gebaut, sondern auch zu teuer.

Erhöhter Handlungsbedarf besteht beim sozialen Wohnungsbau bzw. im niedrigen und mittleren Preissegment. Dort ist die Bautätigkeit vergleichsweise gering, während die Nachfrage nach bezahlbarem Wohnraum anhaltend steigt. Im Jahr 2015 wurden rund 15.000 Sozialwohnungen neu errichtet. Das entspricht nur 18 % des mittelfristigen Bedarfs von 80.000 Wohnungen p.a.

Der festgestellte Wohnungsmangel ist jedoch nicht nur eine zahlenmäßige Hausausforderung. Vielmehr birgt die Entwicklung sozialpolitisches Konfliktpotenzial. Denn den steigenden Wohnkosten stehen die nur verhalten wachsenden Nettoeinkommen der privaten Haushalte gegenüber. Während die Einkommen in den letzten fünf Jahren im Schnitt lediglich um knapp 8 % zugelegt haben, sind die Mieten durchschnittlich um 17 % gestiegen.

Lösungsansätze

Um die Lücke zwischen der Zahlungsfähigkeit der Haushalte und den aktuellen sowie künftigen Mietangeboten zu schließen, schlägt Prognos einen Maßnahmenmix vor: 

Förderung und Schaffung von Wohnungsangeboten im sozialen Wohnungsbau. Der Erweiterungsbedarf liegt bei mehr als 80.000 Wohnungen p.a. 

Eine Erhöhung der AfA (Absetzung für Abnutzung) von derzeit 2 auf 3 % im Jahr. 

Überprüfung der Bauvorschriften und -anforderungen im Hinblick auf günstige Erstellung. Eine Vereinfachung der Bauanforderungen kann erheblich dazu beitragen, die Kosten und damit die Neubaumieten zu reduzieren.

Foto: ZDB/Simonis