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Interview-Reihe „Digitale Kompetenz am Bau“: Mauerwerksbau 4.0

Wie digital ist das Baugewerbe? Diese Frage beantworten die bayerischen Bauunternehmer in der Interview-Reihe „Digitale Kompetenz am Bau“ selbst. Sie zeigen, dass die digitale Baupraxis so vielfältig ist wie das Bauhandwerk an sich!

Innovation wagen im Mauerwerksbau 4.0

In dieser Folge erklärt Dipl.-Ing. (FH) Josef Fugmann, Geschäftsführer bei Bernhard Göhl Hoch- und Tiefbau GmbH, im Interview, wie er das das Fachkräfteproblem mit digital geplanten und maschinell vorgefertigten Mauerteilen angeht.

Herr Fugmann, Sie setzen in Ihrem Betrieb auf Mauerwerksfertigteile. Worum handelt es sich dabei?

Josef Fugmann: Man muss sich das Ganze so vorstellen: Jedes Gebäude besteht aus einzelnen Wänden, aus einzelnen Mauerteilen. Und wir mauern nicht – wie es herkömmlich praktiziert wird – Stein auf Stein, sondern haben eine spezielle Technik entwickelt, mit der wir im Werk komplette Wandelemente bis 6 m Länge, bis 3,75 m Wandhöhe, von 11,5 cm bis 48 cm Wanddicke, je nach Baustoff, je nach Kundenvorliebe herstellen können.

Wie muss man sich den Weg vom CAD-Plan zur fertigen Mauerwand vorstellen? Wo liegen die digitalen Schnittstellen?

Vom Architekten bekommen wir vorgefertigte Baupläne. Diese Pläne werden ja in der Regel digital erstellt. Unsere Techniker werden dann mit diesen Plänen digital die Elementierung der einzelnen Bauteile durchführen. Wir werden dann punktgenau die Größen festlegen, werden feststellen, wo der Autokran postiert werden soll. Und nach diesen Vorgaben fertigen wir dann das Endprodukt, sodass das Bauteil genau an die richtige Stelle kommt, mit der Tragkraft, die auch vom Autokran oder vom Hebezeug her machbar ist.

Inwieweit kann die Verknüpfung von digitalen und maschinellen Anwendungen ein Zukunftsmodell für das bayerische Baugewerbe sein – oder können nur wenige große Betriebe diesen Weg einschlagen?

Einige Technologien gerade im Bereich der Maschinentechnik wurden schon vor vielen Jahren entwickelt – erste vorgefertigte Mauerwerksteile gab es beispielsweise bereits in den 1990er Jahren. Das Problem war jedoch, diese Technik von der Theorie in die betriebliche Praxis zu überführen. Wir haben viel experimentiert und schließlich einen innovativen maschinellen Ablauf in unserer Werkhalle entwickelt. Das wäre ohne die vielen Möglichkeiten, die uns die Digitalisierung heute bietet, nicht machbar gewesen. Kurz: Wir können heute schon viele digitale und technische Anwendungen nutzen, Bestehendes weiterentwickeln. Und das funktioniert nicht nur in großen Konzernen, sondern gerade auch in mittelständischen Betrieben!

Können sich unsere Mitgliedsbetriebe hier auch gegenseitig unterstützten?

Ich denke schon, dass viele Unternehmen voneinander lernen können. Man muss kein Einzelkämpfer bleiben, gerade auch, um am Markt anerkannt zu werden. Denn einzelne Firmen, die ein innovatives Produkt anbieten, haben oft das Problem, dass sie über die Region hinaus nicht wahrgenommen werden. Das geht natürlich in der Masse viel einfacher. Deshalb engagieren wir uns auch im neu gegründeten Netzwerk innovativer Massivbau Bayern.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das komplette Interview erscheint demnächst in unserer BLICKPUNKT BAU-Ausgabe 4/2018. Außerdem gibt das Video-Interview vor Ort bei Bernhard Göhl Hoch- und Tiefbau GmbH einen Einblick in die Werkhalle und in die digitale Plaung der Mauerwerksfertigteile.

Dipl.-Ing. (FH) Josef Fugmann, Geschäftsführer bei Bernhard Göhl Hoch- und Tiefbau GmbH. Foto: LBB